cigar | 789
Aus Cigar 1/2018
Schnelle Nummer

789

Drei Freunde, die vom Genussrauchen sehr wohl eine Ahnung haben, nicht aber davon, wie man eine Zigarre produziert, tun genau das. Und feiern damit durchschlagenden Erfolg.

Text: Tobias Hüberli
Foto: Marnie Marion Baldessari

Am 25. August vergangenen Jahres gründeten René Bleiker, Ahmet Sari und Pascal Stutz im Hotel Kempinski in Istanbul ihre eigene Zigarrenmarke. Von Zigarren hatten die drei Freunde als überzeugte Genussraucher zwar durchaus eine Ahnung, nicht aber davon, wie man eine herstellt. Von dieser Tatsache liessen sie sich zum Glück nicht beeindrucken. «Da war einfach dieser Traum, einmal die eigene Zigarre in den Händen zu halten», sagt Bleiker, der hauptberuflich für das Inflight-Produkt der Edelweiss verantwortlich ist.

Über einen in der Dominikanischen Republik lebenden Schweizer kam der Kontakt zu einer Manufaktur – deren Namen geheim bleiben soll – zustande. Schnell nahm das Projekt Fahrt auf, Versuchszigarren wurden hin und her geschickt, geraucht und diskutiert, bis jeder «seine» Zigarre gefunden hatte. Während Bleiker sich für eine Robusto entschied, wählte Stutz ein Torpedo-Format mit zwei unterschiedlichen Deckblättern und Sari eine Mini-Robusto. «Wir drei sind keine Kubaraucher und bevorzugen eher milde Zigarren, deshalb enthalten unsere Longfiller keinen Ligero-Tabak», so Bleiker. Allen gemeinsam ist auch ein guter Zug sowie die schlichte, elegante Banderole mit der Nummer 789. Die ist übrigens eine Kombination ihrer Glückszahlen und Autonummern, die Neun gehört Sari, die Acht zu Bleiker und auf der Zigarrenbanderole von Stutz ist die Zahl Sieben fett ausgezeichnet.

Am 23. Dezember importierte das Trio insgesamt 1000 Longfiller (alle mit einem Durchmesser von 19,8 mm) in die Schweiz und wurde positiv überrascht: «Die Zigarren schmeckten nicht nur uns, sondern auch vielen unserer Bekannten», so Stutz. Die erste Charge hat sich beim Erscheinen dieses Artikels denn wohl auch bereits in Rauch aufgelöst. Und die frischgebackenen Zigarrenproduzenten haben Blut geleckt. «In der zweiten Charge wird es einige Anpassungen geben», sagt Sari. Aus seiner Mini-Robusto wird eine zweifarbige Short-Perfecto werden, Bleiker wiederum wünscht sich seine Zigarre neu mit einem 21,4-Millimeter-Durchmesser, einem Pigtail und ebenfalls zwei unterschiedlichen Deckblättern. Und auch über eine «etwas kantigere» Special Edition denkt das Trio bereits nach.

In den professionellen Handel einsteigen wollen die Zigarrenkompagnons allerdings nicht. «Das wäre nicht gut für unsere Freundschaft», so Stutz. «Wir sehen das als Hobby, an dem wir andere gerne teilhaben lassen, aber ohne den Druck, auf Bestellung liefern zu müssen.» Und allzu viele der 789-Zigarren sollen auch gar nicht gerollt werden. «Schliesslich wollen wir ja nicht bis ans Ende unserer Tage nur noch unsere Zigarren rauchen», sagt Stutz. Dafür sei die Vielfalt in der Zigarrenwelt einfach zu gross. Im Tasting zeigt sich die 789-Robusto übrigens wie versprochen mild, aber auch vollmundig, mit erdigen Noten und einem sauberen Abbrand.

Im Frühling kamen sämtliche Mitglieder des Zigarren Clubs Zürich in den Genuss der 789-Zigarren. Clubpräsident Marc Rutishauser hatte Sari, Stutz und Bleiker im Fumoir kennengelernt – und geistesgegenwärtig den exklusiven Versand organisiert.

www.zuercher-zigarren-club.ch

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