cigar | «Preise werden explodieren»
Aus Cigar 2/22
Alexis Aazam Zanganeh

«Preise werden explodieren»

Alexis Aazam Zanganeh ist seit über 20 Jahren eine zentrale Figur im Westschweizer Tabakfachhandel. Der Markt für kubanische, aber auch nichtkubanische Zigarren werde in naher Zukunft sehr interessant werden, sagt der Besitzer der ersten La Casa del Habano der Romandie.

Interview: Tobias Hüberli
Fotos: Njazi Nivokazi

Worin liegt für Sie der Reiz einer Zigarre?
Alexis Aazam Zanganeh:
Der Gedanke, dass eine Reihe Menschen von Hand und Tausende Kilometer entfernt diese Zigarre hergestellt hat auf eine traditionelle Art, die sich seit 100 Jahren nicht verändert hat, gefällt mir. Auch weil ich eine sehr traditionell ausgerichtete Person bin. Zigarren sind absolut anachronistisch. Sie befinden sich aus­serhalb des Rhythmus, den die Welt, das Business uns aufzwingt. Ich mag es, einen Longfiller anzuzünden, mir Zeit zu nehmen, nachzudenken und zu beobachten. Die Zigarre erlaubt es uns, aus dem Hamsterrad auszubrechen und die Situation von aussen zu betrachten. Gleichzeitig bietet sie aber auch Gelegenheit, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Sie hat etwas Verbindendes.

Bevor Sie vor über 20 Jahren das Familienunternehmen übernommen haben, hatten Sie als Psychologe gearbeitet. Hat Ihnen das Studium im Zigarrenhandel irgendwie geholfen?
Am Anfang war es sogar eher hinderlich, um ehrlich zu sein. Ich war zu empathisch. Im Geschäftsleben muss man auch einmal hart sein können, gerecht, aber strikt. Ich habe dann relativ schnell dazugelernt. Und mit der Zeit wurde es zu einem Vorteil, weil es mir erlaubte, eine globale und auch menschliche Vision zu entwickeln. Manchmal, wenn man eine Beziehung zu jemandem aufbauen will, muss man sich auch zurücknehmen, zuwarten. Das Wissen der Psychologie hilft mir, den Menschen zuzuhören und die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Wie beschreiben Sie den Westschweizer Markt für Premiumzigarren?
Im Zigarrengeschäft ist das Zwischenmenschliche sehr wichtig. Der Markt in der Romandie ist kompetitiv und chaotisch. Es gibt viele kleine Akteure, die Zigarren verkaufen. Das ist gut für die Vielfalt. Aber es gibt nicht genug Platz für alle, einige von ihnen verschwinden auch wieder, weil sie nicht die Möglichkeiten haben, einen Schritt weiterzugehen. Das Eintrittsticket ist teuer. Wenn sie keine langfristige Vision haben, sind sie tot.

Wo steht Ihre Firma Cigarpassion heute?
Aus einem Familiengeschäft mit zwei, drei Angestellten ist ein Unternehmen mit 25 Personen geworden. Wir sind im Grosshandel tätig, importieren und distribuieren Marken wir Arturo Fuente, Ashton oder Padrón, dazu kommen eigene Brands wie etwa Calibre oder La Couronne Selección Privada und Gran Reserva, die wir in der Dominikanischen Republik herstellen lassen. Seit 2008 haben wir den Onlinehandel stark ausgebaut. Und seit einem Jahr führen wir in Nyon neben unserem Stammgeschäft auch ein La Casa del Habano.

Wie lange haben Sie darauf hingearbeitet, ein solches zu eröffnen?
In meinem Kopf existiert die Idee seit 20 Jahren. Es war der Traum meiner Eltern. Und jetzt hat es geklappt. Es ist ein ex­trem wichtiger Schritt für uns. Die Krone ist endlich komplett. Ich bin stolz, Teil der Exzellenz und der prestigeträchtigen Zukunft kubanischer Zigarren zu sein.

Innert kurzer Zeit stieg die Zahl der Casas in der Schweiz von drei auf fünf. Ist der Markt dafür gesättigt?
Ich denke schon. Vor allem, wenn man die aktuelle Situation betrachtet. Die Verfügbarkeiten von kubanischen Zigarren sind schwierig und es stehen viele Veränderungen ins Haus. Die Pandemie hat bestehende Probleme verschärft. Und jetzt mit den Preiserhöhungen wird viel passieren.

Was bedeutet das für den Markt?
Die aktuelle Situation ist folgendermassen: Die Nachfrage nach kubanischen Zigarren ist enorm. Und es gibt nicht genügend Ware. Die Preise werden so bleiben, weil die Produktion nicht erhöht werden kann, die Tabakernte 2021 war nicht besonders gut in Kuba. Ich denke, die Entwicklung geht in die gleiche Richtung wie bei den raren schottischen Whiskys oder den seltenen Bordeaux: Die Preise werden explodieren.

Werden Habanos für den Normalbürger künftig unerschwinglich?
Günstige Zigarren wird es immer geben. Aber es ist ist tatsächlich die Frage, ob sich der Mittelstand in Zukunft noch eine Cohiba leisten kann oder will. Auch weil die Preise für alles andere im Leben steigen werden.

Immerhin scheint der Paralellimport von kubanischen Zigarren durch die aktuelle Situation zum Erliegen gekommen sein.
Und das wird sich nicht ändern, solange der Markt durch ein zu kleines Angebot unter Kontrolle gehalten wird. Darüber bin ich natürlich glücklich. Es war nicht normal, dass wir in der Schweiz diesen unsinnigen Preiskrieg führten, etwa eine Kiste Partagás mit 30 Prozent Abschlag verkauften. Da verdiente niemand mehr Geld. Vor allem aber respektierte es in keiner Weise die Arbeit der Tabakbauern, der Rollerinnen und letztlich der Fachhändler. Ich glaube, dass, wenn die Konsumentin oder der Konsument eine Kiste Zigarren ohne Rabatt kauft, er oder sie das Produkt stärker respektiert.

Auch der Schweizer Handel profitierte in der Vergangenheit davon, dass kubanische Zigarren hierzulande günstiger waren als im Ausland. Wie viele chinesische Kundinnen und Kunden haben Sie?
Auf diese Frage kann ich Ihnen nicht gut antworten, ich verfüge über ein schlechtes Erinnerungsvermögen. Was ich Ihnen auf jeden Fall sagen kann, ist, dass wir sehr viel Kundschaft auf der ganzen Welt haben. Die Chinesen, das ist sicher, sind wichtig, aber sie sind nicht die wichtigsten. Es gibt auch die arabische Welt und Europa natürlich, das sind bedeutende Märkte.

Was bedeuten die Preissteigerungen für das La Casa del Habano?
Ich erachte sie als eine grosse Chance, weil sie die Havanna-Zigarre auf die Stufe stellen, wo sie hingehört. Zuoberst auf die Pyramide. Wir werden sehen, ob das funktioniert. Ich glaube, ja. Die Winzer von Château Petrus oder Cheval Blanc beklagen sich auch nicht, dass sie ihre Weine im absoluten Top-Level verkaufen können. Ich bin sehr glücklich, eine La Casa del Habano betreiben zu dürfen, aber auch sehr glücklich, zwei Fachgeschäfte zu haben. Der Markt wird sehr interessant sein in nächster Zukunft, für kubanische, aber auch für nichtkubanische Zigarren.

Wie sind Sie als Chef?
Bei mir dreht sich alles um Loyalität und Integrität. Wir sind immer noch ein Familienunternehmen. Wenn Sie Respekt wollen, müssen Sie diesen auch geben. So halte ich das mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wenn Sie so viele Leute haben wie wir, ist es schwieriger, eine positive Energie zu kreieren. Bei uns soll man nicht für einen Lohn arbeiten gehen. Ich will nicht, dass meine Angestellten Angestellte sind, sie sollen teilhaben am Geschäft, ihre Ideen einbringen, sie haben auch Dinge zu sagen, Dinge zu verbessern. Da ist es wichtig, zuzuhören.

Welche Ziele haben Sie?
Wir wollen unsere Position konsolidieren. Besser werden in dem, was wir machen, noch präziser und konsumentenorientierter. Die Kundschaft erwartet das auch mit den steigenden Preisen. Das wird zu einer Bereinigung unter den Anbietern führen. Wer den Service nicht bieten kann, wird nicht über­leben. Die Herausforderung ist, ein traditionelles, von Hand hergestelltes Produkt mit einer jahrhundertealten Geschichte in die moderne Welt zu führen, ohne seine Werte zu verraten. Das haben wir in den letzten zehn Jahren ziemlich gut hingekriegt.

Alexis Aazam Zanganeh kam 1971 im Iran zur Welt. 1974 zog seine Familie in die Schweiz und gründete in Genf sowie in Nyon einen Tabakfachhandel. Aazam stu­dierte in Genf Psychologie, arbeitete aber bereits während des Studiums Teilzeit im Familienunternehmen mit. Seit 24 Jahren leitet er die in Nyon ansässige Firma Cigarpassion. Dazu gehören unter anderem das Fachgeschäft La Couronne sowie seit einem Jahr das erste La Casa del Habano in der Westschweiz.

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