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Aus Cigar 2/22
Patrick Assal

Schritt für Schritt

Patrick Assal ist es gewohnt, verschiedene Leidenschaften mit der gleichen Energie zu verfolgen. Die Geschichte eines Lausanner Zahnarzts, der eben erst eine Zigarrenfabrik in der Dominikanischen Republik eröffnet hat.

Text: Tobias Hüberli
Fotos: Njazi Nivokazi

Patrick Assal wählt seine Worte mit Bedacht und spricht mit sanfter Stimme, man hört ihm gerne zu. Zum Beispiel, wenn er erzählt, wie er bereits als Kind wusste, dass er dereinst Zahnarzt werden würde, wie sein Vater. Oder wie er Anfang des Jahres in der dominikanischen Tabakmetropole Santiago de los Caballeros eine Zigarrenfabrik gründete. Mittelgross sei sie, zirka 500 Quadratmeter, mit derzeit zwölf Angestellten. Eine Showfabrik für Touristen in Puerto Plata stünde zudem kurz vor der Eröffnung. All das berichtet der Romand, ohne mit der Wimper zu zucken.

«In meinem Beruf gebe ich mich stets voll ein», so der 53-Jährige. Gleichzeitig habe er aber immer auch eine Leidenschaft, ein Hobby gebraucht. Lange waren das der Sport sowie die Fliegerei. Bis vor fünf Jahren navigierte Assal eine zweimotorige Piper PA-42 Cheyenne. Mittlerweile haben diesen Platz seine Zigarren eingenommen.

Seinen ersten eigenen Longfiller liess Assal 2012 in Costa Rica produzieren. Damals gelang es dem passionierten Zigarrenraucher, mit einem italienischen Freund einige Ballen Tabak aus Kuba zu exportieren. «Ich dachte, es gebe keine guten Zigarren ohne kubanischen Tabak.» Gemischt mit Tabaken aus anderen Provenienzen, entstand seine erste Zigarre, die er seinen drei Söhnen widmete und Tres Hermanos taufte. «Ich wollte eine Zigarre, die perfekt ist für mich, mit den besten Zutaten, ganz egal, ob sie rentabel ist oder nicht.»

Zu Hause in Lausanne machten die Zigarren von Tres Hermanos die Runde unter Assals Freunden, etwa beim gemeinsamen Golfspiel oder an geselligen Abenden. «Sie wurden mir mehr oder weniger aus den Händen gerissen», erzählt Assal. Relativ bald verschwand der kubanische Tabak aus seinen Zigarren, dafür kamen neue, auch seltene Formate hinzu und stiegen die Stückzahlen kontinuierlich. «Letztes Jahr produzierten wir rund 30 000 Zigarren.»

Mit der eigenen Fabrik erwartet Assal nochmals eine Qualitätssteigerung, auch weil er einen Produktionschef verpflichten konnte, der viele Jahre Erfahrung bei den Herstellern Davidoff und La Aurora mitbringt. Erhältlich sind die Tres-Hermanos-Zigarren (noch) vorwiegend in der Westschweiz sowie online. Eilig hat es Assal nicht. «Wir sind glücklich, wenn wir in kleinen Schritten wachsen. Wir haben Zeit, wollen bekannt werden für unsere Qualität und nicht für unser Marketing.»

Bleibt die Frage, wie sich die Berufung eines Arzts mit einem doch regelmässigen Zigarrenkonsum vereinbaren lässt. Im Gegenteil zu Zigaretten, die man im Stress rauche, gehörten Zigarrenraucher zu einer gänzlich anderen Kategorie, sagt Assal. «Für ein langes, erfülltes Leben braucht man ein Hobby, eine Leidenschaft, ein Interesse. Und man muss fähig sein, sich auszuruhen.» In diesem Sinn können Zigarren durchaus zuträglich sein für ein gesundes, erfülltes Leben.

Die Zigarrenmarke Tres Hermanos von Patrick Assal gibts derzeit in neun unterschiedlichen Ausführungen zu kaufen, da­runter auch ein Short-Gordito- oder aber ein prächtiges Salomon-Format. Die Einlage des Blends besteht aus dominikanischen sowie einem kleinen Anteil US-amerikanischen Tabaken (Pennsylvania), Deckblatt und Umblatt (Sumatra-Seed) stammen aus Ecuador.
treshermanos.ch

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