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Neuheit Cigar 3/26 Neuheit

Der General ist zurück

Text: Tobias Hüberli – Fotos: z. V. g.
Ein Freiheitskämpfer aus Südamerika, Tabake unbekannter Herkunft und künstliche Intelligenz: Villiger inszeniert seine neue Linie San Martín mit reichlich Geheimnissen. Wir haben uns an die Fakten gehalten – und die Zigarre geraucht.
José Veranda Vorne 2

In den Fluren der Zigarrenfabrik Villiger Söhne AG im luzernischen Pfeffikon riecht es angenehm nach Tabak in roher wie auch in gerauchter Form. Draussen wütet der Sommer. In einem Sitzungszimmer mit hohen Fenstern haben Désirée Leers, Produktmanagerin für Longfiller-Zigarren, und ihr Grafikteam um Karin Weyel und Paul Brogel zur Degustation der neuen Zigarrenlinie San Martín geladen. Seit 27 Jahren arbeitet Leers schon für das Familienunternehmen.

Das erste Mal sei der Name San Martín vor drei Jahren wieder ins Gespräch gekommen, erzählt sie. Ursprünglich habe die Firma unter dieser Marke Zigarren aus Honduras vertrieben, die Produktion aber um die Jahrtausendwende eingestellt. Seither schlummerte die Marke im Archiv. Und nun ziert der Name des legendären Freiheitskämpfers die zweifellos bedeutendste Zigarrenneuheit, die Villiger in den letzten Jahren hervorgebracht hat.

Interessant dabei: Nach der 2013 lancierten Premiumzigarre «Villiger Celebration 125 Jahre» wird zum zweiten Mal in der Unternehmensgeschichte die Herkunft der Tabake geheim gehalten. «Der Blend stammt aus der Karibik, mehr sagen wir nicht», so Leers. Das ist auch nicht nötig. Wer sich in der Zigarrenwelt ein bisschen auskennt, weiss, was das in der Regel bedeutet. Sicher ist dafür, wer hinter dem Blend steckt. Matías Maragoto, Inhaber der in Santo Domingo domizilierten Manufaktur ABAM S.A., arbeitet seit über dreissig Jahren eng mit Villiger zusammen.

Für die neue Linie San Martín hat Maragoto zahlreiche Blends herstellen und ablagern lassen. «Die aus seiner Sicht fünf besten hat er uns dann zum Degustieren gegeben», so Leers. Gleichzeitig arbeiteten Karin Weyel und Paul Brogel in Pfeffikon fieberhaft an einem modernen Auftritt der Marke. Der südamerikanische Freiheitskämpfer wurde dafür kurzerhand in die Karibik umgesiedelt und mittels künstlicher Intelligenz zum Leben erweckt.

Die Schöpfer des neuen General José de San Martín: Désirée Leers, Paul Brogel und Karin Weyel.
Die Schöpfer des neuen General José de San Martín: Désirée Leers, Paul Brogel und Karin Weyel.
San Martin 1

An der Lancierung von San Martín Ende April im preisgekrönten Whisky & Cigar Salon im deutschen Gronau begrüsste ein eloquenter General die Gäste und stellte seine Zigarren gleich selbst vor. Dass KI-generierte Videos auch eine Gratwanderung darstellen können, war dem Team durchaus bewusst. «Villiger Söhne ist eine sehr traditionelle Firma, mit San Martín wollten wir bewusst neue Wege gehen», sagt Leers. Zudem habe man im Entstehungsprozess der Marke extrem viel über die neue Technologie, ihre Vorteile und Tücken gelernt.

Letztlich ist aber weder die Herkunft der Tabake noch ein moderner Auftritt, sondern einzig der Geschmack entscheidend dafür, ob eine Zigarre im Markt ankommt. Das Robusto-Format von San Martín gefällt von Anfang an mit einem sehr guten Zug. Im ersten Drittel zeigen sich würzige und fruchtige Noten, dazu kommen Leder, Holz, Zitrus sowie sehr bald eine tiefe Cremigkeit. Im Rauchverlauf offenbart das mittelkräftige Format dann ein überaus harmonisches Zusammenspiel von Cremigkeit, Süsse sowie feinen Bitternoten. In der grossen Blinddegustation dieser Ausgabe hat der Cigar-Tastingrat der San Martín Robusto stolze 92 Punkte verteilt (siehe Seite 81).

In der Schweiz ist die Linie San Martín seit Ende August im gut assortierten Fachhandel in den Formaten Robusto, Churchill sowie Piramides erhältlich. Die Preise variieren zwischen 15.50 Franken (Robusto) und 17.50 Franken (Piramides).