Big Smoke
Eine Hommage an den Genuss
Ende Februar, anlässlich des XXV Festival del Habano, präsentierte sich die kubanische Zigarrenindustrie von ihrer besten Seite. Im Zentrum der Feierlichkeiten stand heuer das 15-Jahre-Jubiläum der Top-Premium-Marke Cohiba Behike. Aber auch den Brands H. Upmann sowie Romeo y Julieta wurde jeweils ein bedeutender Auftritt verschafft.
An der Rueda de Prensa, der traditionellen Pressekonferenz, verkündeten die Verantwortlichen am ersten Tag des Festivals imposante Zahlen. 827 Millionen Dollar Umsatz, also 16 Prozent mehr als letztes Jahr, erwirtschaftete die Vertriebsgesellschaft Habanos SA mit den 27 kubanischen Zigarrenmarken. Und dass, bei einem «stabilen Marktumfeld», also einer gleich grossen Produktion von zwischen 50 und 60 Millionen (Export-)Zigarren. Die Umsatzsteigerung wurde mehrheitlich mit deutlich teureren Spezialitäten und Produktneuheiten erzielt. Der wichtigste Markt für kubanische Zigarren ist nach wie vor China, gefolgt von Spanien – sowie der Schweiz.
Wie immer blieben viele Fragen unbeantwortet. Etwa jene, wie der Markt die in den letzten drei Jahren vorgenommenen massiven Preiserhöhungen auf kubanischen Topmarken tatsächlich aufgenommen hat. Zumindest in den europäischen Fachgeschäften mutieren die Marke Trinidad und teilweise Formate von Cohiba zu Ladenhütern.
Unbeantwortete Fragen gab es auch um das in Hongkong domizilierte Konsortium Allied Cigar Corp, das 2020 50 Prozent von Habanos SA für 1,4 Milliarden Dollar erworben hatte. Laut Radio Free Asia sitzt einer der Allied-Cigar-Corp-Investoren, der milliardenschwere Casino-Betreiber Alvin Chau, seit vergangenen November in Macao im Gefängnis. Ihm wird Geldwäsche vorgeworfen, es gilt die Unschuldsvermutung. Laut verlässlichen Quellen soll auch der zweite Top-Investor des Konsortiums, der chinesisch-stämmige Immobilienmogul Chen Zhi, in China sowie in Kambodscha polizeilich gesucht werden.
In Havanna liessen sich rund 3000 angereisten Händler, Sammler, Journalisten und Zigarrenaficionados von derlei Neuigkeiten nicht die Laune verderben. Auch mit der harten Realität der Kubanerinnen und Kubaner, etwa täglichen Stromausfällen, grassierender Armut und einer Inflation von 100 Prozent, kam nur in Berührung, wer sich tatsächlich dafür interessierte.
Präsentiert wurden während dem Festival zahlreiche Neuheiten. Allen voran das mächtige Format Cohiba Behike 58 (Ringmass 58 x 178 Millimeter), aber auch zwei Limitada-Editionen (Montecristo Elba und Punch Princessas), die H. Upmann Magnum 50 Gran Reserva Cosecha 2019 (RM 50 x 160 Millimeter) sowie die Romeo y Julieta Amantes (RM 53 x 153 Millimeter).
Während die Noche Intermedia, die jeweils am Festival-Mittwoch über die Bühne geht, in den letzten zwei Jahren eher enttäuschte, übertrafen sich die Organisatoren heuer selbst. Gefeiert wurde im Capitolio, dem kubanischen Regierungssitz, im Herzen von Havanna. Die künstlerische Darbietungen, aber auch das vom bekannten Restaurant La Guarida prästierte Catering liess keine Wünsche offen.
Die Gala am Freitag stand dann ganz im Zeichen der prestigereichsten Marke überhaupt. Seit ihrer Lancierung vor 15 Jahren gehören die Zigarren der Cohiba-Behike-Serie zu den seltensten und meist gesuchten Zigarren innerhalb des Habanos-Universums. Den Gästen der Gala wurde im Verlauf des Abends alle erhältlichen Formate, also die Cohiba Behike 52, 54, 56 sowie zum Schluss die neue Cohiba Behike 58 serviert.
Aus Schweizer Sicht höchst erfreulich war die Auszeichnung des Tessiner Sammlers und Zigarrenfachhändlers Alain Proietto zum Hombre del Habano. Zusammen mit seiner Frau Sofia Belfasto betreibt Proietto mehrere Fachgeschäfte in der Südschweiz, darunter zwei La-Casa-del-Habano-Franchisen in Lugano und Mendrisio.
Mit insgesamt 17,8 Millionen Euro erreichte die Auktion der Sonderhumidore dieses Jahr einen neuen Rekord. Allein für den Cohiba-Humidor zahlte ein Bieter 4,5 Millionen Euro. Neu erhalten Käufer von Humidoren einen exklusiven Zugang zu kubanischen Premiumzigarren im gleichen Wert, wie sie an der Auktion investiert haben.
Ein detaillierte Recherche zur aktuellen Lage in Kuba gibts in der gedruckten Ausgabe von Cigar am 23. April.