Big Smoke
Eine Hommage an den Genuss
Die Zigarrenmarke Horacio ist in der Schweiz mittlerweile gut etabliert. Aber nur wenige wissen, wer eigentlich dahintersteht.
Christophe Leroy: Ich lebe seit 30 Jahren in Costa Rica. Die Geschichte von Horacio begann dort vor rund 20 Jahren. Ich pflegte mit meinem Freund und Geschäftspartner Fabien Gil Golf zu spielen. Und immer wieder sahen wir auf dem Court US-Amerikaner Zigarren rauchen. Das hat uns so fasziniert, dass wir irgendwann beschlossen, eine eigene Zigarre zu machen. Von Tabak hatten wir damals keine Ahnung, wohlgemerkt.
Wie gingen Sie vor?
Wir informierten uns und eröffneten einfach mal eine sehr kleine Manufaktur. Die Zigarren nannten wir zu Beginn Horacio del Monte. Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf.
Erzählen Sie.
Ich glaube nicht an Zufälle im Leben. Wenn man etwas kreiert und dabei Menschen kennenlernt, hat das meistens einen Grund. Irgendwann war ich bei einer Freundin eingeladen, die mir an jenem Abend einen Arzt aus Calais vorstellte. Er war zwar Nichtraucher, aber ich gab ihm zum Abschied trotzdem eine Kiste Zigarren als Geschenk auf den Heimweg. Ungefähr sechs Monate später rief mich Sylvain Toaldo, ein Pariser Zigarrenhändler, an. Er war über Umwege zu unseren Zigarren gekommen und wollte mich und Fabien treffen.
So entstand Horacio?
Ja, und zwar aus einer Freundschaft heraus, das ist mir ganz wichtig. Natürlich sind wir ein wirtschaftlich geführtes Unternehmen. Aber der Mix aus drei komplett unterschiedlichen Persönlichkeiten macht die Marke erst aus.
Wie ging es weiter?
Sylvain kannte den französischen Markt sehr gut. Wir starteten also in meiner alten Heimat mit einem 54-Ringmass. Solche Formate gab es damals in Frankreich praktisch gar nicht. Es entstand sofort eine grosse Nachfrage, also beschlossen wir, uns auf grössere Ringmasse zu konzentrieren. Damit wurde Horacio bekannt.
Anfangs verzichteten Sie auch auf Banderolen, weshalb?
Heute stehen Marken oft stärker im Vordergrund als das Produkt selbst. Um mich voll und ganz auf eine Zigarre einzulassen, muss sie für mich nackt sein. Wir wollten, dass Aficionados unsere Longfiller ohne Vorurteile entdecken können. Als wir dann aber in andere Märkte expandierten, baten uns die Importeure relativ schnell darum, eine Banderole um die Zigarren zu binden. Aus einem kommerziellen Aspekt ist das komplett verständlich. In Frankreich verkaufen wir unsere Longfiller aber erst seit fünf Jahren mit Banderolen.
Weshalb verlegten Sie die Produktion vor 15 Jahren nach Nicaragua?
Ehrlich gesagt, hatten wir Schwierigkeiten mit der Verfügbarkeit von Facharbeitern sowie auch Rohtabaken. In Nicaragua kennt man solche Probleme nicht. Als wir unsere erste Manufaktur in Estelí eröffneten, wurden wir sehr herzlich empfangen. Wir waren die einzigen Franzosen und die alteingesessenen Hersteller – viele davon sind Exilkubaner – wollten mal schauen, wie lange wir das durchhalten. Wir begannen langsam, steigerten die Produktion aber stetig. Vor allem haben wir die Tabaklieferungen immer prompt bezahlt. Das ist in Esteli nicht immer der Fall. Auch damit schufen wir uns einen guten Ruf.
Wie gross ist das Unternehmen Horacio Cigars heute?
Wir haben rund 70 Mitarbeitende und produzierten letztes Jahr 1,19 Millionen Zigarren. Europa ist für uns der wichtigste Markt, allen voran Frankreich und die Schweiz. Dahinter folgen Deutschland sowie Osteuropa. Insgesamt sind wir aber in fast 70 Ländern präsent, auch in Asien, Afrika sowie sogar im Vatikan. Aktuell arbeiten wir daran, uns in den USA, in Mexiko sowie in den Ländern Südamerikas zu etablieren.
Was macht Ihre Zigarren aus?
Unsere Grundidee war es immer, eine Zigarre anzubieten, die sich einfach rauchen lässt. Nehmen Sie zum Beispiel die Serie Horacio Jacques Chancel. Das sind Zigarren, die man jederzeit, ob morgens, mittags oder abends, problemlos geniessen kann. Unsere Longfiller variieren zwar je nach Serie im Geschmack, aber sie sind niemals aggressiv. Das entspricht auch unseren Vorlieben. Wir sind keine Liebhaber von zu starken Zigarren.
Was für Tabake verwenden Sie konkret für Horacio?
Wir arbeiten hauptsächlich mit den Terroirs rund um Estelí, Jalapa, Condega sowie Ometepe. Aber natürlich kommen auch Tabake aus anderen Ländern zum Zug. In einem Blend lässt sich letztlich alles steuern. Verwenden wir etwa einen kräftigeren Tabak aus Ometepe, kombinieren wir dazu etwas Leichteres, um die gewünschte Balance herzustellen. Wichtig dabei: Wir arbeiten nur mit sehr gut fermentierten Tabaken. Wenn nötig, fermentieren wir die eingekauften Tabake in unserer Manufaktur nach, bis sie die gewünschte Qualität erlangt haben.
Wie gehen Sie bei der Kreation einer neuen Zigarre vor?
In der Regel starten wir mit Tabaken, die wir noch nicht oder nur flüchtig kennen. Wir zünden sie an, rauchen sie und schauen, wie sie schmecken. Die Erfahrungen aus diesen einzelnen Tabaken sind dann die Basis für die Suche nach dem neuen Blend. Ziel ist es immer, eine Zigarre im Stil von Horacio zu kreieren, aber mit neuen Aromen. Es ist ein Prozess, der viele Tests und Rückmeldungen erfordert, wobei ich in meinem Kopf eigentlich von Anfang an weiss, was ich will.
Wie haben Sie sich das nötige Tabakwissen angeeignet?
Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch und hatte immer das Glück, in Branchen zu arbeiten, die mich passioniert haben. Lange war das in der Telekommunikation, später im Finanzbereich und seit 16 Jahren im Tabak. Wer etwas ohne Leidenschaft macht, limitiert sich automatisch selbst. Ist man aber mit Begeisterung dabei, will man sich stets verbessern, noch tiefer graben. Die Leidenschaft hat mich immer angetrieben. Mein Wissen verdanke ich aber auch sehr vielen Leuten, die über die Jahre ihr Know-how mit mir geteilt haben.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktlage in Europa?
Mit Horacio haben wir das Glück, weiterhin zu wachsen, was allerdings mit viel Arbeit verbunden ist. Grundsätzlich ist der Zigarrenmarkt saturiert, es kommen viele neue Brands, viele verschwinden aber auch schnell wieder. Für uns ist es wichtig, präsent zu sein und nicht zu stagnieren. In der Zigarrenwelt wird man sonst schnell vergessen. Und dann wird es in Europa leider immer komplizierter, unsere Produkte zu verkaufen. Wenn Sie etwa nach Belgien schauen, da darf man heute weder die Verpackungen zeigen noch ein Beratungsgespräch führen. Dass ist eine «dictature commerciale» und wird, so fürchte ich, auch in anderen Ländern Schule machen.
Letztes Jahr haben Sie in Estelí eine neue Fabrik in Betrieb genommen. Was ist der Plan?
Nach einer Reorganisation der neuen Manufaktur werden wir bis Ende dieses Jahres unsere Aktivitäten dort bündeln. Dadurch können wir unsere Produktionskapazität nahezu verdoppeln. Darüber hinaus wird uns dieses Projekt vor allem ermöglichen, sämtliche Einlagetabake selbst zu fermentieren. Das ist ein Aspekt, der mir besonders am Herzen liegt, denn so können wir die Qualität unserer Tabake noch besser kontrollieren.
Im September zeigen die Hersteller oft ihre Neuheiten. Sie ebenfalls?
Wir haben einen neuen, sehr speziellen Blend gemacht, den wir wohl an der Intertabac in Dortmund präsentieren werden. Einen Namen haben wir noch nicht dafür. Wenn die Resonanz positiv ist, wird die Zigarre ab Anfang 2027 in den Ringmassen 50, 54 und 60 erhältlich sein. Unsere neuen Serien werden zudem in recycelbaren Kartonverpackungen daherkommen. Es störte mich schon lange, dass nach dem Zigarrenverkauf so viele Holzkisten weggeworfen werden. Das ist nicht nachhaltig. Die ersten Tests mit Karton haben wir bereits vor fünf Jahren gemacht, jetzt ist die Zeit reif dafür.
Vor über 30 Jahren reiste Christophe Leroy nach Costa Rica und beschloss, nicht mehr in seine Heimat Frankreich zurückzukehren. Der heute 64-Jährige baute in Costa Rica und Panama erfolgreiche Telekommunikationsfirmen auf. Vor knapp 20 Jahren gründete er mit zwei Freunden die Zigarrenmarke Horacio. Während das Unternehmen anfangs vor allem auf Zigarren mit grossen Ringmassen setzte, finden sich heute auch schlankere Formate im Sortiment. Mittlerweile produziert Horacio Cigars in Nicaragua pro Jahr fast 1,2 Millionen Zigarren, die in 69 Ländern weltweit erhältlich sind.
horacio-distribution.com