ï»ż cigar | DIE HERKUNFT IM BLICK
Aus Cigar 2/23
Tabak total

DIE HERKUNFT IM BLICK

Die Wellauer AG schaut auf eine lange, erfolgreiche Vergangenheit zurĂŒck, ist aber auch fĂŒr die Zukunft bestens gerĂŒstet. Unter anderem, weil man den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern grosse Sorge trĂ€gt.

Text: Tobias HĂŒberli
Fotos: Tobias HĂŒberli und Samir Seghrouchni

Die Sonne brennt mit voller Kraft auf das kleine Tabakfeld hinter der Tabacalera Don Esteban. Zwischen den hĂŒft­hohen Pflanzen lauschen Buchhalter Markus Keel, Chauffeur Peter Spirig und DetailfachhĂ€ndlerin Marlene Schefer zusammen mit fĂŒnf Arbeitskollegen den AusfĂŒhrungen von Adrian Nausch. Der 33­JĂ€hrige spricht ĂŒber die Eigenschaf­ten von Olor Dominicano sowie Piloto Cubano, den zwei wichtigsten Tabak­sorten in der Dominikanischen Repu­blik, und erklĂ€rt nebenher die einzelnen fĂŒr die Zigarrenproduktion zentralen Blattstufen der Pflanze. In den nĂ€chsten Tagen lernt die Gruppe nicht nur, wie Zigarren gerollt werden, sondern auch alles ĂŒber den Anbau, die Trocknung so­ wie die Fermentation von Tabak.

Im Februar und MĂ€rz, anlĂ€sslich des 125­-Jahre-­JubilĂ€ums der Firma, lud die Wellauer AG ihre gesamte Belegschaft, in drei Gruppen gestaffelt, in die Domi­nikanische Republik ein. «Uns war wichtig, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, insbesondere auch die Ler­nenden, erfahren, woher unsere Zigar­ren stammen und was es alles braucht, um diese herzustellen», sagt GeschĂ€fts­fĂŒhrer Joël Riederer.

Die Tabacalera Don Esteban liegt in der Tabakhauptstadt Santiago de los Caballeros und wurde 1997 vom 2020 verstorbenen Wellauer-Patron Peter Rohner gegrĂŒndet. «Damals, wĂ€hrend des Zigarrenbooms, waren Longfiller in der Schweiz kaum mehr erhĂ€ltlich, dem wollte Rohner mit der eigenen Manufak­tur entgegenwirken», so Riederer. Wie (fast) immer in der Karibik, war der An­fang schwer. Nach einem gescheiterten ersten Versuch fand sich in Oskar Nausch, einem auf Medizin in EntwicklungslĂ€ndern spezialisierten deutschen Arzt, die richtige Person, um die Firma zu leiten und aufzubauen.

Heute produziert das Unternehmen 1,2 Millionen Zigarren pro Jahr. «Wir hĂ€tten nochmals 500 000 StĂŒck mehr rollen können, leider haben wir den da­fĂŒr nötigen Tabak nicht bekommen », so Nausch. Wie 1997 ist Premiumtabak aufgrund der weltweit stark gestiegenen Nachfrage zurzeit Mangelware. In der zu einer Manufaktur umfunktionierten Villa entstehen sĂ€mtliche Eigenmarken von Wellauer wie Samana, La Maguana oder Capadura 888. Dazu werden auch andere Marken, wie etwa Presidente Cigars, hergestellt.

Oskar Nausch, Direktor der Tabacalera Don Esteban, mit seinem Sohn Adrian sowie Peter Rohner im Hintergrund
Fällen die Entscheide gemeinsam: Franz Costabiei, Joël Riederer und Fredi Kellenberger.

Am 2017 eingeweihten Firmensitz in Rheineck lagern die Zigarren – es sind ĂŒber 25 Marken – unter perfekten Be­dingungen. Sie sind ein wichtiger, aber nicht der einzige Pfeiler der Firma. «Als eines der wenigen Unternehmen in der Schweiz können wir mit unserem Sorti­ment eine ganze Tabakfachhandlung ausrĂŒsten.» Im gerĂ€umigen Lager fin­den sich auch Drehtabake, eine grosse Auswahl an hochwertigen Pfeifen, Was­serpfeifentabak, eine unĂŒberschaubare Menge an Accessoires sowie natĂŒrlich Snus, den Wellauer seit 2019, nach einem vor Bundesgericht gewonnenen Prozess, wieder einfĂŒhren darf.

Noch vor seinem unerwarteten Tod hatte Peter Rohner seine Nachfolge ge­regelt. Mit Franz Costabiei und Fredi Kellenberger berĂŒcksichtigte er zwei langjĂ€hrige WeggefĂ€hrten. Ebenfalls Teilhaber ist der GeschĂ€ftsfĂŒhrer – und ehemalige Lehrling – Joël Riederer. «Pe­ters Ableben war ein Schock, er fehlt uns.» Die Zusammenarbeit als Trium­virat funktioniere indes gut, sagt Rie­derer. «Wichtige Entscheide fĂ€llen wir immer gemeinsam.»

Dazu gehört etwa das Festhalten an den fĂŒnf eigenen Fachhandlungen in St. Gallen, Buchs, Olten und ZĂŒrich. «Wir sind beides: Importeur und Detaillist», so Riederer. Deshalb versuche man auch automatisch, dem Fachhandel faire Preise anzubieten. «Schliesslich sind wir selbst davon betroffen.» Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von Wellauers Sortiment sind denn auch die zahlreichen Longfiller unter zehn Franken. «Wir möchten allen Gesell­schaftsschichten den Zigarrengenuss möglich machen.»

Auch eine Besonderheit bei Wellauer ist die familiĂ€re AtmosphĂ€re. «Privates vermischt sich bei uns mit dem Ge­schĂ€ft, das geht nicht nur mir so», sagt Riederer. So kontrolliert etwa seine Mut­ter seit acht Jahren alle ankommenden Zigarren auf Makel oder Fehler. «NatĂŒr­lich herrscht nicht immer Friede, Freude Eierkuchen, aber in der Regel haben alle Mitarbeitenden Spass bei der Arbeit und fĂŒhlen sich hier ein StĂŒck weit zu Hause. Wie es halt in einer Familie ist.»

Die Wellauer AG wurde 1898 von Gottlieb Wellauer gegrĂŒndet. FĂŒr sein FachgeschĂ€ft in St.Gallen importierte er Tabakwaren und Utensilien aus der ganzen Welt. Sein Sohn Walter Wellauer fĂŒhrte das Unter­nehmen ab den Dreissigerjahren weiter. 1987 ĂŒbernahm die bis anhin auf den Tabak­ grosswarenhandel spezialisierte Peter Roh­ner AG die Firma. Das seit 2008 als Wellau­ er AG agierende Unternehmen betreibt fĂŒnf Tabakfachhandlungen und importiert Tabak­ waren sowie Accessoires fĂŒr den Grosshan­del. 2020 verstarb Inhaber Peter Rohner un­erwartet. Seither fĂŒhren Fredi Kellenberger, Franz Costabiei sowie GeschĂ€ftsleiter Joël Riederer als gleichberechtigte Teilhaber die Firma gemeinsam.

welltabac.ch

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