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MIT VOLLEM EINSATZ

Innert 20 Jahren mauserte sich The Royal Cigar Company AG zur drittgrössten Zigarrenimporteurin der Schweiz. Dem Aufbau des Unternehmens ordnete Raymondo Bernasconi (fast) alles unter. Zeit, zurĂŒckzuschauen.

Text: Tobias HĂŒberli
Fotos: Christian Schmid und Njazi Nivokazi

Es war ein grossartiges Fest. Vergangenen Sommer lud die The Royal Cigar Company AG insgesamt 350 GĂ€ste nach Basel, um bei bestem Wetter direkt am Rhein das 20-Jahre-JubilĂ€um der Firma zu feiern. Mit von der Partie war nicht nur das Who-is-Who des nationalen Fachhandels, sondern auch internationale Zigarrenprominenz wie Maya Selva, Ernesto Perez-Carrillo, Jonathan Drew, oder Nestor Andrés Plasencia, um nur einige zu nennen.

An jenem Abend dankte FirmengrĂŒnder Raymondo Bernasconi unter TrĂ€nen den Personen, die ihm beim Aufbau der heute drittgrössten Premiumzigarrenimporteurin des Landes geholfen hatten, allen voran seiner Frau Sue, den FachhĂ€ndlern und Zigarrenmachern. DarĂŒber hinaus entschuldigte er sich bei seinen zwei Kindern dafĂŒr, dass er viel Zeit in der Firma und (zu) wenig mit ihnen verbracht habe.

TatsĂ€chlich waren insbesondere die Anfangsjahre ein wahrer Kraftakt. Als Raymondo 2000 als 28-JĂ€hriger loslegte, bestand sein erstes Lager aus einem knapp 1000 Zigarren fassenden Humidor, irgendwo in einem Keller. Zum Vergleich: Heute ruhen im Lager der Firma ĂŒber 1,2 Millionen Longfiller. «Am Anfang wollte mir niemand seinen Brand anvertrauen», so Raymondo. Und wenn er dann mal eine Marke vertreiben konnte, wurde er von grösseren Mitbewerbenden ausgebremst oder der Brand wechselte den Besitzer und wurde ĂŒber seinen Kopf hinweg einer anderen Importeurin zugeteilt.

Doch Raymondo zog die richtigen SchlĂŒsse. 2008 lancierte er mit Gilbert de Montsalvat seine eigene Marke und konzentrierte sich fortan auf Hersteller von Boutique-Zigarren. «Ich arbeitete nur noch mit Familienunternehmen und mied grosse Konzerne.» Ein weiterer SchlĂŒssel zum Erfolg war die Kooperation mit den unabhĂ€ngigen FachhĂ€ndlern. «Nur dank ihnen konnte ich meine Marken in der Schweiz bekannt machen und letztlich etablieren.»

Ein Toast auf die gute Zusammenarbeit: Raymondo Bernasconi mit Jonathan Drew, Gründer von Drew Estate.

FrĂŒh erkannte er auch das Potenzial, das in den neuen HerstellungslĂ€ndern wie Nicaragua oder Honduras schlummerte. «Die Kubaner hatten schon damals Produktionsprobleme, zudem waren etwa die Produktionskosten in Nicaragua um ein Vielfaches gĂŒnstiger als in der Dominikanischen Republik.» In EstelĂ­ liess Raymondo nicht nur seine Gilbert-de-Montsalvat-Zigarren rollen, sondern knĂŒpfte auch Kontakte zu Jonathan Drew oder zur Plasencia-Familie, lange bevor diese Namen in der Schweiz bekannt wurden. Daraus entstanden ein einzigartiges Portfolio an Boutique-Zigarrenbrands und nicht zuletzt langjĂ€hrige Freundschaften, die sich an der JubilĂ€umsfeier eindrĂŒcklich manifestierten.

Es brauchte viele Opfer und ein ordentliches Mass an Obsession, um eine Firma dieser Grösse aufzubauen. «Die ersten zehn Jahre haben wir nur investiert, der Cashflow hinkte der Expansion immer hinterher», so Bernasconi. Oder in anderen Worten: Geldsorgen waren stĂ€ndige Begleiter der jungen Familie. Das Ă€usserte sich bei ihm in einer Art Verbissenheit und dem unbedingten Willen, zu reĂŒssieren. «Ich hatte viele schlaflose NĂ€chte.» Raymondo ist einer, der gerne polarisiert. Dazu ist er ehrlich und direkt, bisweilen etwas zu viel von beidem. Aber er hat das Herz am richtigen Fleck und in den letzten Jahren ist der heute 51-JĂ€hrige sichtlich entspannter geworden.

«WĂ€hrend der Covid-Pandemie habe ich mich richtig entschleunigt», sagt er. Das funktionierte, weil er auf ein tatkrĂ€ftiges Team zĂ€hlen kann. Mit Reno Trosi hat er letztes Jahr einen GeschĂ€ftsfĂŒhrer gefunden, der die Verbindung zwischen Marketing, Verkauf und Operation macht. Ebenfalls schon eine halbe Ewigkeit an seiner Seite sind Lagerchef Matthias Fleig und Produktmanager Dominik Mezzomo. «Wir haben eine richtig gute AtmosphĂ€re untereinander, darauf bin ich stolz, diese Harmonie ist ein wichtiger Baustein unseres Erfolgs.»

WĂ€hrend das TagesgeschĂ€ft in Zukunft vermehrt andere ĂŒbernehmen sollen, will sich Raymondo stĂ€rker auf seine Eigenkreation Gilbert de Montsalvat konzentrieren, die es mittlerweile in zehn LĂ€ndern zu kaufen gibt. Am 1. April, pĂŒnktlich zum 15-Jahre-JubilĂ€um, kam mit Gilbert Signature eine neue Linie in fĂŒnf Formaten auf den Markt (siehe auch Seite 60). Hinter den Zigarren steht kein geringerer als Eladio Díaz, der ehemalige Masterblender von Davidoff. Ende Juni folgt dann die auf 2000 Kisten à 15 Zigarren limitierte JubilĂ€umsedition 15 Aniversario von Gilbert de Montsalvat. Auch bei diesem Werk stand eine Legende der Branche Pate, nĂ€mlich Ernesto Perez-Carrillo alias The Godfather of Cigars.

Sicher ist: Langweilig wird es in der The Royal Cigar Company AG auch in Zukunft nicht werden. Ende 2024 steht etwa ein Umzug an, aber daran mag Raymondo noch nicht richtig denken

cigarcompany.ch

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